Wieso Freiheit? Ich bin doch frei!

Immer wieder begegne ich verständnislosen Blicken wenn ich erkläre für eine freiere Gesellschaft zu kämpfen. Geradezu mitleidsvoll wird der Gesichtsausdruck wenn ich bemerke dies in einer neu gegründeten Kleinpartei umsetzen zu wollen.

Am Beginn jeder Unterhaltung steht dabei die schier unverrückbare Überzeugung der Gesprächspartner, sich selbst als freie Menschen in einer freien Gesellschaft zu sehen. Immerhin kann man doch gehen wohin man will, Ausbildung und Job frei wählen, alle paar Jahre die Politik mitbestimmen, so man denn möchte.

Erst konkrete Beispiele bringen bei dem Ein oder Anderen, leider bei nicht allzu vielen, das Weltbild durcheinander. Erschöpfend möchte ich die Einschränkungen unter denen wir leben gar nicht aufzählen, nur eine kleine Reise anhand des Lebensweges gehen.

 
Die Geburt
Ausländer können ein Lied davon singen. Versucht man nach der Geburt dem Kind einen Namen zu geben welcher aus der Reihe fällt und der Standesbeamte weder in seinem kleinen Büchlein noch im Internet finden kann, wird dieser abgelehnt. Sicherlich kann man der Meinung sein bestimmte Namen sind unpassend für ein Kind, die Entscheidung darüber sollte aber bei den Eltern liegen.
Auch die U-Untersuchungen sind eine sinnvolle Sache, sind diese aktuell (noch) nicht verpflichtend, so muss man sich doch überlegen ob man nicht als Kandidat für einen Hausbesuch beim Jugendamt registriert wird.
 
Die Kindheit
Heroisch kann der Staat in die Bresche springen und von Krippen-, KiTa- und KiGa-Plätzen alles im Idealfall kostenfrei anbieten. Dass dies erst durch einen inflationsbedingten Kaufkraftverlust unserer Währung notwendig wird, tritt dabei in den Hintergrund. Dass heutzutage meist beide Elternteile kurze Zeit nach der Geburt wieder arbeiten müssen liegt ja nicht unbedingt an dem Willen dies zu tun, sondern daran dass einfach zu wenig Geld da ist um den eigenen Kindern einen ähnlichen Lebensstandard zu bieten, wie der selbst als Kind erlebte.
Auch die Einführung des Elterngeldes, welches wir am Ende ja alle bezahlen, führt eher zu weltreisenden Akademikern welche ohnehin einen Kinderwunsch hegten, als dazu tatsächlich mehr Arbeitsbienen zu produzieren.
Kommen wir zu den Krippen- und Kindergartenplätzen, so denn welche verfügbar sind. In den meisten Regionen Deutschlands besteht hier keine Wahlfreiheit, es gibt einige staatlich geförderte und oft kirchlich geführte Einrichtungen. In vielen Regionen bekommt auch jeder irgendwo einen Platz, also wo liegt denn hier schon wieder das Problem? Dem möchte ich mit einigen Fragen begegnen: Warum braucht eine Einrichtung für Kinder einen kirchlichen Träger? Geht es hier um Nächstenliebe? Geht es unseren Kindern so schlecht dass diese sonst im Dreck verhungern und verwahrlosen? Wäre es nicht im christlichen Sinne sinnvoller mehr Kapazitäten in Armentafeln, Krankenhäuser und wirklich bedürftiger Kinder in anderen Länder zu stecken? Es kann bei den kirchlichen Trägern, welche auch von unserem Geld als Kirchenmitglieder finanziert werden, also nur darum gehen Kindern eine christliche Frühbildung zukommen zu lassen. Wer das möchte, soll es so halten. Durch die begrenzte Anzahl an KiGa-Plätzen und dem Zwang Geld verdienen zu müssen und meine Kinder abzugeben werde ich aber in die Situation gebracht mein Kind dort quasi abgeben zu müssen. Besonders problematisch sehe ich dies für die Atheisten, Muslime, eigentlich alle Andersgläubigen unter uns.
 
Die Schulzeit
Die Schulbildung liegt in der Hand des Staates. Alternative private Schulen werden finanziell so benachteiligt dass eine tatsächliche Konkurrenz nicht möglich ist. Einfacher wäre es jeder Schule, egal ob staatlich oder nicht, für jeden Schüler die gleiche Summe Geld auszubezahlen. Man könnte dies sogar mit der Auflage verbinden ansonsten keine weiteren Gebühren zu erheben, um dem Totschlagargument der "Reichenschulen" zu begegnen. Beim aktuellen System müssen Privatschulen Gebühren erheben um die Kosten zu decken und stehen somit nicht jedem in unserer Gesellschaft zur Verfügung, obwohl diese dann doch von uns allen zum Teil finanziell unterstützt werden.
Aber lassen wir das Nischenthema Privatschulen beiseite. Kümmern wir uns um den Schulalltag. Hier gehört mein grösstes Mitgefühl der Lehrerschaft! Na wenn ich jetzt mal nicht ein paar Leute überrascht habe weiss ich es auch nicht. Jawohl, den Lehrern! Diese bringen keine einfache Studienzeit hinter sich, lernen was sie den Kindern beibringen sollen und wie sie das am Besten machen, alles am neuesten Stand der Wissenschaft. Und dann geht es hochmotiviert in den Schulalltag, eingezwängt in das Korsett des Lehrplans und zu viel Stoff für zu wenig Zeit beginnt für Schüler, Lehrer und Eltern der Ritt durch unser Ausbildungssystem. Zeit für die tatsächlich notwendige Grundlage zu schaffen, nämlich der "Bildung", bleibt in diesem Ausbildungssystem kaum.
Aber kommen wir zurück zum Schüler an sich. Geht dieser noch hochmotiviert in die Schule mit der kindlichen Lust am Lernen, wird dies spätestens in der 3. Klasse mit dem Druck erstickt jetzt aber mal Leistung zeigen zu müssen um nach der 4. Klasse für den weiteren Lebensweg in Kasten eingeteilt zu werden. Erinnert das sonst auch noch jemanden an Aldous Huxleys A-, B- und C- Menschen?
Hat ein Kind erst einmal den C-Stempel auf der Stirn, eine Einteilung in die Hauptschule, so wird dieses Stigma meist ein Leben lang nicht mehr abgelegt und führt unweigerlich zu Perspektivenlosigkeit, oft verbunden mit frustvoller Gewaltbereitschaft und langfristig zu einem niedrigen Lebensstandard oder gar Armut. Alles entschieden aufgrund der Leistungen als 9- bis 10 Jähriger.
Die B-Klasse, seines Zeichens Realschüler, soll den Weg ins Handwerk oder in die Ausbildung finden. Aber warum stecken wir eigentlich die vermeintlich schlechteren Schüler in diesen Weg? Besteht nicht ein Grossteil unserer Wirtschaft aus Mittelständlern, vorrangig aus dem Handwerk oder aus kaufmännischen Ausbildungen hervorgegangen? Guten Schülern wird vorgegaukelt die akademische Ausbildung ist der beste Weg für ein finanziell solides Fundament, in vielen Fällen ist dies gerade nicht der Fall. Ich habe selten einen Geisteswissenschaftler mehr verdienen sehen als einen Handwerksmeister! Gerade dieser Ausbildungsweg sollte als paralleler Weg zur akademischen Ausbildung angesehen werden und nicht als der Schlechtere.
Die A-Klasse, die Elite, Stützpfeiler und Rückgrat unserer Gesellschaft. Hat auch nur einer unserer Abiturienten gelernt wie man ein Unternehmen gründet? Ein wenig Buchhaltung? Nein? Natürlich nicht, unser Ausbildungssystem zielt nicht auf die Schaffung von Unternehmern, sondern von Arbeiterdrohnen. Nach dem Gymnasium geht es an die Hochschulen, auch hier ist leider die Freiheit verloren gegangen, seit mit den Bologna-Abschlüssen Bachelor und Master einfach das Schulsystem weitergeführt wird. Zeit zum nachdenken und innehalten bleibt keinem mehr, es geht direkt von der Schule, ins verschulte Studium und ab ins Angestelltenverhältnis.
Zugegeben, an vielen Stellen besteht tatsächlich die Freiheit aus dem System auszuscheiden, spätestens nach Ende der allgemeinen Schulpflicht. Was bis dahin staatlich erzwungen mit einem gemacht wird ist jedoch sehr bedenklich.
 
Das Leben an sich
Auf das Arbeitsleben an sich möchte ich gar nicht weiter eingehen, jeder kann hier tatsächlich in unserer Gesellschaft (noch) frei entscheiden welcher Profession er nachgeht. Die meisten beschränken sich jedoch darauf schnell ein Auto, Wohnung und/oder Haus zu kaufen um sich auch ordentlich vom bestehenden Job und Arbeitgeber abhängig zu machen und an jedem Gehaltsbrief wie ein Süchtiger zu kleben.
 
An dieser Stelle möchte ich noch einige Beispiele der Unfreiheit bringen. Nehmen wir zunächst einmal die gezahlten Steuern. Nehmen wir alle Steuern zusammen, also auch die Konsumsteuern Märchensteuer, Benzin usw., kommen wir auf eine Abgabenlast für einen einzelnen Bürger von ca. 70%. Wir gehen also arbeiten und geben 70% unseres verdienten Lohnes an Menschen ab die darüber bestimmen was mit meinem Geld geschieht. Wenn ich Glück habe sehe ich etwas davon wieder über vermeintliche Geschenke welche der Staat mir macht, z.B. ein freies Kindergartenjahr oder Ähnliches. Wirklich darüber bestimmen wo das Geld landet kann ich nicht, es verschwindet alles in einem grossen Topf und wird nicht nur in meiner Gemeinde, Bundesland oder Deutschland ausgegeben, sondern auch noch alle sinnfreien Brücken in Spanien damit finanziert. Wer dort auf Autobahnen unterwegs war weiss was ich meine...
Natürlich bin ich bereit für unser Zusammenleben Geld abzugeben, von mir aus auch mehr als andere wenn ich mehr verdiene. Aber ich möchte bitteschön auch mitreden können für was es ausgegeben wird. Wie schön wäre es die Steuern nur an die eigene Heimatgemeinde zu zahlen und diese arbeitet dann im Bedarfsfall mit weiteren Gemeinden zusammen um grosse Projekte zu stemmen oder z.B. ein Krankenhaus gemeinsam zu betreiben? Ein schweizer Modell quasi, dort liegt die Einkommenssteuer um die 10%, warum wohl?
 
Das Wichtigste für mich und meine Familie ist die Gesundheit. Hier möchte ich nur das Beste haben und bin auch bereit dafür Geld in die Hand zu nehmen. Darf ich das? Nur wenn ich selbstständig oder reich genug bin darf ich in eine private Krankenversicherung, welche nachweislich die besten Leistungen erbringen, wechseln. Dass es ein staatliches System für die Krankenversicherung gibt ist ja noch zu verkraften, dass ich in dieses System gezwungen werde, ist allerdings schon heftig. Parallel zu dem Zwang werden zusätzlich seit Jahren die privaten Anbieter systematisch benachteiligt, von freiem Markt ist an dieser Stelle leider nicht mehr zu sprechen. Ich möchte hier keine Lanze für die privaten Krankenversicherer brechen, dort gibt es auch viele schwarze Schafe, es gibt allerdings auch Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, welche nicht den Aktionärsgewinn in den Vordergrund stellen sondern tatsächlich den Kunden.
 
Kommen wir zu den Arbeitslosen-, Sozial-, Rentenversicherungen und weiss Gott was es noch alles gibt. Hier wird gerne der Generationenvertrag angeführt bzw. das Solidaritätsprinzip. Leider habe ich weder einen Generationenvertrag unterschrieben, noch finde ich es sehr "solidarisch" wenn ich gezwungen werde Geld abzugeben. Solidarität kann nur auf Freiwilligkeit beruhen.
Natürlich kann man heutige Rentner nicht wieder arbeiten schicken, das System muss über die nächsten 20 - 30 Jahre geändert werden und langsam auslaufen, nur muss man irgendwann auch mal damit anfangen. Wie bei der Krankenversicherung kann ich mit einem staatlichen Modell leben, allerdings darf dies keine Pflicht sein. Ich möchte frei wählen können welchem Anbieter ich es zutraue mir z.B. die effizienteste Arbeitslosenversicherung anzubieten.
 
Vielleicht noch eine kurze Bemerkung zum vermeintlich sicheren und warmen Schoss des Staates, dem Beamtentum. Nehmen die meisten Menschen die Freizügigkeit als Gut Ihrer Freiheit mit in die Argumentation, so trifft nicht mal das für die Beamten unter uns zu. Der Wohnort wird quasi zugeteilt, es gibt Lehrerehepaare welchen Fernbeziehungen aufgezwungen werden, Richter welche nie wieder umziehen können. Natürlich steht es jedem frei den Beamtenstatus aufzugeben. Und dann? Was macht ein Lehrer? Ein Polizist? Es steht den Lehrern z.B. nicht mal frei sich an einer bestimmten Schule zu bewerben, der Rektor hat kein eigenes Budget und keine Möglichkeit jemanden zu entlassen oder einzustellen.
 
Wer hat nicht schon einmal ob der unsinnigen Vorschriften aus Brüssel den Kopf geschüttelt? (rhetorische Frage). Als ein prominentes Beispiel wurde uns kürzlich die erdvernichtende Glühbirne genommen, ersetzt durch die wesentlich teurere, und umweltschädlichere Energiesparlampe. Da macht es doch richtig Sinn auch noch unser komplettes Budgetrecht an eine EU-Behörde, genannt ESM, zu übergeben. Zentralisierung ist ja so effizient!
Wie entstehen solche wahnwitzigen Vorschriften (gerade Landwirte können Lieder davon jodeln)? Man nehme eine handvoll Bürokraten, ein machtloses, unlegitimiertes Parlament zum Abnicken und ein paar Entscheider. Mische das Ganze mit Lobbygruppen, finanziert von Grossunternehmen welche sich vor innovativen Mittelständlern schützen möchten und erhalte daraus: einen manipulierbaren, feudalen Hofstaat welcher das Leben von hunderten von Millionen Menschen bestimmt. Je zentralisierter die Macht und das Budget, desto einfacher lässt es sich auch manipulieren.
 
Kommen wir zu dem Thema "Opferlose Verbrechen". Dass der Staat verbietet am Karfreitag zu tanzen ärgert mich nur einmal im Jahr, das kann ich verkraften. Der Eingriff in mein Recht mit meinem Körper zu machen was ich möchte wiegt da schon viel schwerer. Ich bin Mitte 30, verheiratet, zwei Kinder. Wieso darf ich mich mit Schnapps tot saufen, aber keinen Joint rauchen? Erschliesst sich das irgend jemandem? Gesundheitliche Gründe kann es keine haben, wir haben tausende von Alkoholtoten jedes Jahr aber keine Cannabis-Opfer.
Allgemein kann es eigentlich kein Verbrechen geben ohne ein Opfer. Ob ich jetzt meinen Gurt im Auto anlege oder nicht ist meine freie Entscheidung und Pech wenn es mich erwischt. Wenn ich dagegen mit dem Handy telefoniere gefährde ich Andere, das gehört berechtigterweise bestraft.
 
Abschliessend für dieses Kapitel ein Blick auf die Haus- und Hofbesitzer. Die sind aber jetzt mal wirklich frei! Sind sie das? Selbst wenn einem das Grundstück gehört, was man damit machen darf bestimmen Andere. Und nicht nur ob es Ackerfläche sondern ein Baugrund ist. Sondern oft die gesamte Architektur und Ausstattung des Bauvorhabens. Wer bitteschön seid ihr denn dass ihr mir vorschreiben könnt welche Schindelfarbe mein Dach hat. Wenn es blau sein soll, ist es blau!
 
 
Als Rentner
Zur Freiheit eines Rentners bleibt nicht viel zu sagen. Habe ich im Laufe meines Lebens genügend Geld angesammelt so geniesse ich, neben den bereits angeprochenen Einschränkungen, einen relativ freien Alltag. Habe ich mein Geld im Ausland oder Goldmünzen gehortet bleibe ich sogar von der aktuell bei allen etablierten Parteien diskutierten Vermögensabgabe bzw. Zwangsanleihe verschont.
Bin ich rein von der Rente abhängig bleibt mir eigentlich nur zu beten (das lernt man wie oben zu lesen bereits im Kindergarten), dass mein Geldwert halbwegs stabil bleibt und die Inflation nicht um sich schlägt.
Ansonsten kann man dann immer noch die Partei wählen welche die höchste Rentenerhöhung verspricht.
 
Der Tod
Selbst das Sterben wird mir nicht leicht gemacht. Natürlich braucht es Regeln wenn es an die Selbsttötung a la Dignitas in der Schweiz geht. Aber letztendlich ist es meine Entscheidung ob ich mein Leben beenden möchte oder nicht.
 
Wer an dieser Stelle noch dabei ist und sich durch meinen ungeschulten Schreibstil gekämpft hat, den möchte ich gerne persönlich kennenlernen.
Schreiben Sie mir doch ein Beispiel für Unfreiheiten im Alltag an marcus.franzen@parteidervernunft.de. Vielleicht können wir ein Comic draus machen...und vor Allem unser Wahlprogramm damit bestücken.
 
 
 
 
Marcus Franzen
stellv. Landesvorsitzender PDV-Bayern