Wenn Legenden verenden - Das Märchen von der Inflation

Es gibt Legenden, die halten sich hartnäckig und es ist faszinierend zu beobachten, wer so alles diese Legenden mit leidenschaftlicher Inbrunst verteidigt und immer wieder anfeuert. Was aber noch viel erstaunlicher ist, dass diese selbsternannten  „Experten“ nicht mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt werden, weil sie genau diejenigen massiv schädigen, die sie zu beschützen vorgeben.

Ich vermute, dass es zum einen an dem Umstand liegt, dass viele Menschen von wirtschaftlichen Zusammenhängen nicht so viel Ahnung haben (wollen) und zum anderen daran, dass sich die Legendenfestkleber die Parole „Ich kämpfe für die Armen und Vernachlässigten in dieser Gesellschaft!“ wie eine Heldenplakette  überlebensgroß auf ihrer Stirn vor sich her tragen.

Zwei dieser Legenden handeln auf der einen Seite von der guten, sofern „moderaten“ Inflation und auf der anderen Seite dem Schreckgespenst - der Deflation. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich eine Definition dieser Begriffe breitgemacht, die eine massive und vor allem sehr teure Fehleinschätzung dieser beiden Phänomene geradezu heraufbeschwört. Landauf, landab ist zu hören, dass Inflation bedeutet, dass die Preise steigen und Deflation dann vorliegt, wenn die Preise fallen und es zu befürchten steht, dass in Erwartung nun dauerhaft sinkender Preise kein Mensch noch irgendetwas kauft und die Wirtschaft somit den Bach runter geht.

Dieser völlig falschen Darstellung ist es zu verdanken, dass die Menschen die Brisanz der massiven Geldmengenausweitung gefährlich unterschätzen. Aus ökonomischer Sicht bedeutet Inflation nichts anderes als das Aufblähen der Geldmenge und Deflation die Kontraktion der Geldmenge. Mit Preisen und den daraus entstehenden Entwicklungen haben diese Begriffe zunächst überhaupt nichts zu tun. Die Preisbeeinflussung findet erst in dem Moment statt, wo die veränderte Geldmenge auf die nicht veränderte oder nicht in gleichem Maße veränderte Gütermenge trifft.

Es ist in diesem Zusammenhang gebetsmühlenartig von der sogenannten „Lohn-Preis-Spirale“ die Rede. Hier wird in verantwortungsloser Weise suggeriert, dass solange die Löhne nicht massiv (im Verhältnis zur erhöhten Geldmenge) steigen, die Gefahr einer Inflation nicht oder nur in geringem Umfang gegeben ist. Dies ist hanebüchener Unsinn. Lohn- und Preissteigerungen sind die Folge der Inflation und nicht ihre Ursache. Auch die Auffassung, Inflation habe eine positive Seite, ist Unsinn. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt vertrat die Auffassung, dass 5 % Inflation besser seien als 5 % Arbeitslosigkeit – nun als „Weltökonom“ bekam er beides!

Fatalerweise steigen im Zuge der enormen Geldmengenausweitung die Preise weder in der Höhe gleichmäßig noch in allen Bereichen auf einen Schlag. Zu den Profiteuren der Inflation im eigentlichen Sinne gehören vor allem die Finanzinstitute und die Politik, die mit dem frischen Geld am schnellsten arbeiten können. Am härtesten trifft es die ärmeren Teile der Bevölkerung, die von der Ausweitung des Geldes frühestens dann (wenn überhaupt) profitieren, wenn die Preise auf breiter Front bereits deutlich gestiegen sind und sie nur noch zu diesen Preisen einkaufen können.

Die Kleinsparer sind doppelt negativ betroffen. Der normale „sichere“ Sparvorgang lohnt sich für sie nicht mehr, weil heute noch „gutes Geld“ gegen späteres „schlechtes, weil abgewertetes Geld“ eingetauscht wird. Zudem ist der Kauf einer Staatsanleihe nichts anderes als eine Investition in die zukünftige „Steuerbeute“, also eine Taktik von „linke Tasche rein, rechte Tasche raus“. Die Inflation, die durch deren Einpeitscher namens Zentral- und Geschäftsbanken im Auftrag von Staaten ausgelöst wird, ist zutiefst unsozial.

Die Zentralbanken sind keine Anwälte einer stabilen Währung, ganz im Gegenteil, Zentralbanken sind Brutstätten der Inflation, sie untergraben moralische Werte wie Sparsamkeit, Aufrichtigkeit und Werterhalt. Sie sind für die Entstehung von Scheinwohlstand und Investitionsblasen verantwortlich, die - historisch betrachtet -  immer und ausnahmslos in einem Meer von Tränen endeten.

Der größte Profiteur der zentralbanklichen Umverteilung „von unten nach oben“ ist der Staat, der sich auf Kosten seiner Bürger bereichert und uns dann noch – als sei diese Tatsache noch nicht verabscheuungswürdig genug – einredet, dass eine moderate Inflationsrate von 2 % pro Jahre gut für uns sei. Mal abgesehen davon, dass die offiziell ausgewiesene Inflationsrate mit der Realität nichts zu tun hat, wäre selbst unter dieser Voraussetzung unser Geld nach 25 Jahren nur noch die Hälfte wert.

Die D-Mark, die uns als angeblich leuchtendes Beispiel vor Augen geführt wird, hatte bei ihrer Abdankung über 80 Prozent ihres Wertes eingebüßt, der Dollar ist kaum noch einen Pfifferling wert und beim Euro ist es besser, ganz zu schweigen.

Jede Form der „sicheren“ Altersvorsorge scheitert an einer solchen Vorgehensweise. Bei einer staatlicherseits empfohlenen Geldanlage, vorwiegend in „sicheren“ Staatsanleihen, derer sich Pensionsfonds und Lebensversicherung bedienen müssen, kann man mit viel Glück nach Kosten auf rund 2 % Rendite pro Jahr hoffen. Bei einer nur 2 %igen Inflationsrate und einer nachgelagerten Besteuerung im Rentenalter spart sich ein jeder arm!

Man muss sich einmal diesen Irrsinn vor Augen halten: Der Sparer zahlt aus seinem bereits versteuertem Einkommen regelmäßige Sparraten vorwiegend in Staatsanleihen ein, dessen Zinsen letztlich aus dem Steueraufkommen – zu dem er selber beigetragen hat – bedient werden. Die Zinsen, die er im Jahr erwirtschaftet, werden durch die Inflation (mindestens) vollständig neutralisiert und am Ende muss er auf den „Gewinn“, der ihm vorgegaukelt wird, auch noch Steuern bezahlen. Wenn das mal nicht ein Zaubertrick par excellence ist!

Die staatlich betriebene Inflation ist ein perfides Spiel zulasten der kapitallosen Menschen und bewirkt eine zutiefst verachtenswerte Umverteilung hin zu den wohlhabenden. Leider wird dieser Umstand sehr häufig gerade von denen nicht erkannt und sogar vehement abgestritten, die vorgeben, am Wohl der armen Menschen interessiert zu sein und der „Ausbeutung“ nun endlich ein Ende bereiten zu wollen. Für mich ist das substanzloses „Blabla“. 

Wenn es wirklich im Interesse der selbst ernannten Weltverbesserer wäre, die Ausbeutung der normalen Bevölkerung zu beenden, würden sie gegen dieses korrupte Falschgeldsystem auf die Straße gehen und nicht der schon um 1870 widerlegten Kostendrucktheorie das Wort reden. Aber das wäre wohl zu kompliziert; viel einfacher ist es, im bestehenden System - von dem die meisten der „Anwälte der Armen“ massiv profitieren - eine beleidigend geistlose und platte Umverteilung der Geldvermögen zu fordern.

Der amerikanische Ökonom Gary North hat es treffend beschrieben:“ In einer Volkswirtschaft mit fiat money steigen die Preise aus demselben Grund, aus dem sie bei einer Versteigerung steigen, bei der die Falschgeldhersteller mitsteigern.“

DAS sollten sich die sogenannten „Experten“ auf die Heldenplakette schreiben – dann könnte man sie zumindest im Ansatz ernst nehmen.

Dieser Artikel erschien zunächst auf dem Blog der Autorin.