Von Gruben voller Giftschlangen und Dieben

„Die Nationen Europas haben jeden Weg von Zwang und Narrheit ausprobiert und ausgetreten, um dasselbe Ziel zu erreichen, aber wir scheinen trotzdem lieber den Jongliertricks und Bankiersträumen glauben zu wollen, man könne Geld aus nichts erschaffen“. Thomas Jefferson, dritter amerikanischer Präsident, 1791

„Ich gehöre nicht zu denjenigen, die nicht daran glauben, hohe Staatschulden seien ein Segen; sie sind ein Fluch für die Republik, weil sie nur zu dem Zweck angehäuft werden, um unsere Regierung herum eine Geldaristokratie aufzubauen, die unsere Freiheiten bedroht.“  Und an die Zentralbanker gerichtet: „ Gentlemen, ich habe euch über einen langen Zeitraum beobachten lassen und bin überzeugt, dass ihr die Gelder der Bank dazu missbraucht habt, mit der Speisekammer des Landes herumzuspekulieren. Habt ihr gewonnen, habt ihr die Gewinne unter euch aufgeteilt. Habt ihr aber verloren, habt ihr die Verluste der Bank in Rechnung gestellt. Ihr behauptet, sollte ich die Bank auflösen, würde ich 10.000 Familien ruinieren. Das mag stimmen, Gentlemen, aber das ist eure Schuld! Sollte ich euch aber gewähren lassen, werdet ihr 50.000 Familien ruinieren, und das wäre dann meine Sünde! Ihr seid eine Grube voller Giftschlangen und Diebe“! Andrew Jackson, siebter amerikanischer Präsident, 1832

 „Ohne die konjunkturpolitischen Möglichkeiten einer zusätzlichen Kreditschöpfung grundsätzlich leugnen zu wollen, ist aber in richtiger Analyse der deutschen wirtschaftlichen Verhältnisse mit Nachdruck zu betonen, dass eine Aktion in dem von meinen sozialistischen Widersachern gewünschten Umfang unser Volk sofort wieder in Not und Drangsal einer Inflation zurückstoßen müsste“ und „Die 1,2 Millionen Arbeitslosen in 14 Tagen restlos zu beseitigen, wäre kein Kunststück, wenn sich ein verantwortungslos verbrecherischer Politiker bereit fände, unser Volk in inflationistische Zustände zurückzuführen, die über eine Scheinblüte immer zur wirtschaftlichen und sozialen Auslösung treiben“. Ludwig Erhard, zweiter Bundeskanzler der BRD, 1950 und 1949

„Das Überleben unserer Nation hat keinen Wert, wenn unsere (freiheitlichen) Traditionen nicht ebenfalls fortbestehen. Es gibt eine sehr ernsthafte Gefahr, dass der Vorwand der Sicherheit missbraucht wird, um Zensur und Geheimhaltung auszudehnen“. John F. Kennedy, 35. amerikanischer Präsident, 1961

Es gibt so Tage, an denen man eigentlich andere Pläne hat als einen Blogartikel zu schreiben, aber dann stößt man auf eine Schlagzeile und die bisherigen Pläne sind Makulatur. Die heutige Schlagzeile der „Deutschen Wirtschaftsnachrichten“ ist so ein Anlass. So erklärt Dr. Andreas Dombret als Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank während seiner Rede in Salzburg, dass es nun doch jetzt recht schnell gehen müsse mit der Zwangsabgabe für Sparer und auch die Enteignung von Bank-Aktionären und auch die gemeinsame europäische Haftung für marode Banken ist von dringlichstem Interesse.

Es ist in der Tat äußerst bemerkenswert, dass eine solche Nachricht gut vier Wochen vor der Bundestagswahl fällt und nicht erst danach, was zum einen auf die umfassende Not der Beteiligten hinweisen dürfte, allerdings auch taktisch zu verstehen sein könnte, frei nach dem Motto, dass es ja schließlich kein Geheimnis war (man muss natürlich nur nach solchen Nachrichten suchen!) So ist es daher auch nicht besonders verwunderlich, dass bis zu diesem Moment in der Systempresse nichts davon zu lesen ist. Aber selbst wenn, würde es die Masse der Menschen überhaupt berühren? Oder sogar ängstigen?  

Wenn sich in einigen Tagen der Todestag der europäischen, friedlichen Gemeinschaft jährt indem der ESM seinen ersten Geburtstag feiert, wenn die Bundestagswahlen gelaufen sind und uns dann sogar von den Mainstreammedien täglich ein neuer Brocken zum Runterschlucken präsentiert wird, wie werden wir uns fühlen? Werden wieder im Nachhinein die meisten behaupten, dass sie es von Anfang an gewusst haben oder dass es „total überraschend“ kommt?

Als ich heute Morgen an mehreren Bankinstituten vorbei fuhr, sah ich keine langen Menschenschlangen davor, die diesem Ausbeutersystem eine Absage erteilen und mit allergrößter Eile ihr Geld von der Bank zurückfordern – nichts, kein einziger in Panik. Seltsam, oder?

Auch die Tatsache, dass wir entgegen der offiziellen Behauptung, Deutschland würde mit maximal 190 Milliarden aus dem ESM - diesem Enteignungsinstrument par excellence- haften, ist eine glatte Lüge. Laut einem Bericht des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags gibt es keine Haftungsobergrenze des deutschen Beitrags zum ESM, der schon mit dem Namen „Europäischer Stabilitätsmechanismus“ den ganzen Zynismus offenlegt.  Die Nachschusspflicht kann dem Bericht zufolge  auf 700 Milliarden Euro (Stammkapital des ESM) oder gar noch mehr steigen, ohne dass der Bundestag irgendeine Einspruchsmöglichkeit hat.

Unseren grundehrlichen Finanzminister Wolfgang Schäuble juckt das überhaupt nicht. Im Gegenteil: „Das ist wahrheitswidrig und ehrverletzend“, sagte der Bundesfinanzminister den „Badischen Neuesten Nachrichten“ als Replik auf die Kritik, seine Angaben über die Haftungsrisiken Deutschlands für die „Euro-Rettung“ gäben nicht die volle Wahrheit wieder. Insgesamt betrage der höchstmögliche Haftungsbetrag unverändert 310 Milliarden Euro, sagte Schäubles Sprecherin in Berlin. Nun, selbst das ist fast dreimal so viel, wie die Damen und Herren des zuständigen Ministeriums erst vor kurzem als aktuelle Risiken angegeben hatten.

Als ich die -  dem einen oder anderen bereits bekannten - oben zitierten Aussagen vergangener Staatsmänner las, war ich doch wenig „betrübt“  in Anbetracht der Tatsache, dass es wohl tatsächlich einmal echte Staatsmänner gegeben hat. Nicht diese Laiendarsteller von Politkern, die gar nicht schnell genug die Hand beißen können, die sie füttert.

Als Präsident Kennedy am 4. Juni 1963 die "executive order number 11110", mit dem er das frühere Dokument "executive order number 10289" außer Kraft setzte und somit die Geldausgabe nicht mehr über die Fed sondern über das Department of Treasury steuern wollte, musste er zumindest geahnt haben, dass man ihm das sehr übel nehmen würde, trotzdem setzte er es durch  - wohl zum damaligen Nutzen des Volkes. 

Auch wenn ich keine Freundin der Politik bin und schon erst recht nicht eine von jeglicher Geldschöpfung aus monopolistischer Hand, mit diesen Männern als Staatsoberhaupt hätte man wohl durchaus leben können. Denjenigen, die uns da heute „regieren“ ist noch nicht einmal ein Blumentopf anzuvertrauen und nur dann die Oma, wenn Sie die Gute unbedingt loswerden wollen.

Dieser Artikel erschien zunächst auf dem Blog der Autorin.