Scheitert die EU, gewinnt Europa

„Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.“ sagte Kanzlerin Merkel vor Kurzem und wiederholt das gerne und oft in den unterschiedlichsten Färbungen.

Frau Merkel sagte sicher bewusst „Europa“ und nicht „EU“.

 

Wer ist Europa?
 

Europa ist ein Kontinent voller einzelner Länder. Ein Kontinent voller Menschen.
„Du bist Europa!“ - Dieser Satz stimmt, auch wenn er damals eine andere Information transportieren sollte.

Wir sind alle Europäer.

Doch „Europa“ wird heute in Politik und Medien fast ausschließlich als Synonym für „EU“ verwendet. Man will uns glauben machen, dass unser Kontinent ohne eine supranationale Regierung mit Sitz in Brüssel scheitert und gar zerbricht. Ich male mir dann bei solchen Sätzen gerne aus, wie unser Kontinent an den Linien unserer größten Flüsse zerreißt und die subkontinentalen Plättchen beginnen, auseinander zu driften.
Ein leicht beängstigender Gedanke, oder?

Genau das sollen die rhetorisch-psychologischen Meisterwerke unserer Politiker und Medien erreichen: Die Angst schüren, ohne die EU wirtschaftlichen Schiffbruch zu erleiden und daran zu zerbrechen. Am besten noch mit düsteren Kriegsszenarien garniert.

Ja, wir sollen Angst haben. Die EU soll alternativlos sein und bedingungslos vom Volk akzeptiert werden. Das ist im Moment das alleinige Ziel unserer Politiker, wenn sie mit dem Begriff „Europa“ um sich werfen. Und sie haben (zu ihrem eigenen Wohl) allen Grund, dieses Ziel gnadenlos und ohne Rücksicht auf Verluste weiter zu verfolgen.

Aber vor was genau sollen wir uns denn fürchten?

Sollen wir uns davor fürchten, dass Deutschland endlich wieder über sein Geld alleine verfügen kann? Sollen wir uns vor dem Wechselkurs beim Urlaubmachen fürchten? Sollen wir uns davor fürchten, dass uns 3000 neue Verordnungen pro Jahr aus Brüssel erspart bleiben? Sollen wir uns vielleicht vor Glühbirnen fürchten?

Vor was fürchten wir uns denn?

Vor den Geldern, die es benötigt, eine eigene Währung wieder einzuführen? Diese Kosten hätten wir in wenigen Jahren eingespart, wenn wir nicht mehr Nettozahler in Richtung Brüssel wären! Vielleicht aber vor einer starken DM?... war die starke Mark jemals ein echtes Problem für uns? Aus Sicht des kleinen Mannes sicher nicht – die Urlaube waren billig, Einkaufen im Ausland hat sich gelohnt, der Sprit und alles andere auch kostete real die Hälfte. Und die Industrie kam im Großen und Ganzen ja auch gut damit klar, sonst wären wir niemals die stärkste europäische Industrienation geworden.

Wovor fürchten wir uns?

Man hat uns gesagt, wir müssten uns fürchten. Man hat es uns gesagt, und wir glauben es... noch immer! Mit Deutschland und allen anderen EU-Staaten geht es bergab. Jeder sieht das. Und wir fürchten uns noch immer, das Unvermeidliche auszusprechen, die unvermeidlichen Schritte endlich einzuleiten – bevor es vollends zu spät ist. Wir fürchten uns. Solange wahrscheinlich, bis ein anderer Zustand uns fest in seinem Würgegriff haben wird: Armut.

Armut – Arm an Mut?

Vielleicht sollten wir allmählich den Mut fassen und uns aus den Klauen der EU befreien, bevor wir zu arm sind, um uns dagegen zu wehren. Denn spätestens wenn dieser Punkt erreicht ist - spätestens dann, wenn die Masse der Menschen in Europa nicht mehr in der Lage ist, ein Leben in Normalität, wie wir es heute kennen, zu führen, wird es düster aussehen in und für Europa.

Wir sollten den Mut haben, dieses Experiment für gescheitert zu erklären, es zu beenden und die Scherben zusammenfegen. Länder, die in allen Bereichen (noch) so unterschiedlich sind wie die europäischen, können nicht per EU-Verordnung zusammengefügt werden. Weder wirtschaftlich noch sozial. Je eher wir alle das erkennen, umso mehr Leid werden wir uns selbst und allen anderen Europäern ersparen.

Durch diesen Mut zu einer solchen Entscheidung scheitert die EU - und es gewinnt Europa.

 

Update: Mancher "EU-Externer" bestätigt das Obige: Link